Historische Straßenbahnen

Die historischen Strassenbahnen fahren auch heute noch zu besonderen Anlässen. Hier in Magdeburg hat man sich rechtzeitig um die damals einfach nur alten Straßenbahnen gekümmert. Man hatte auch das Glück mit dem alten Straßenbahndepot in Sudenburg auch eine Behausung für die historischen Straßenbahnen zu haben.

Aber zunächst möchte ich der Interessengemeinschaft historischer Nahverkehr und Straßenbahnen bei den MVB e.v.(IGNah) recht herzlich bedanken, denn die IGNah hat mir Ihr Bildmaterial und Ihre Informationen zur Verfügung gestellt. Nur so konnte ich diese Präsentation in diesem Umfang überhaupt erstellen.

Pferde-Bahn-Wagen-Nr-2

Der Pferdebahnwagen Nr. 42 wurde mit einer Reihe von anderen Wagen seiner Baureihe von der "Magdeburger-Straßen-Eisenbahn-Gesellschaft" MSEG und der "Magdeburger-Trambahn-Actien-Gesellschaft" MTAG im Jahre 1888 in Dienst gestellt. Angeschafft wurden im diesem Jahre insgesamt 16 Wagen dieser Pferdebahnwagen (39 - 54). Weitere wurden in den Jahren 1889 und 1890 noch angeschafft.

Die Pferdestrassenbahn Nr 42 wird auch heute noch genutzt. Diese sogenannten "Sommerwagen" wurden ausschließlich, wie der Name schon sagt, in den Sommermonaten gefahren da es ein offener Wagen war. Die Trittbretter an beiden Längsseiten dienten nicht nur den Mitfahrern zum Auf- und Absteigen, sondern auch dem Schaffner zum hangeln von Bank zu Bank um Fahrkarten zu verkaufen bzw. zu kontrollieren. Die Wagen hatten 6 Sitzbänke und zum Schutz der Schaffner je zwei halb-hohe Trennwände. In 1897 hat man den Pferdebahnwagen aus Sicherheitsgründen noch einen kleine Modifikation in Form von Armlehnen an den Außenseiten der Bänke angebracht.

Im selben Jahr des Umbaus wurde die Fusion von MSEG  und MTAG vollzogen. Somit waren alle 54 Sommerwagen in einem Betrieb, der "Magdeburger-Straßen-Eisenbahn-Gesellschaft" MSEG. Kurze Zeit später wurden die Pferdebahnwagen nochmals Umgebaut. Bei der Umstellung  auf elektrischen Antrieb wurden den Wagen nun Anhängekupplungen angebracht. So konnten Sie als Beiwagen der elektrischen Triebwagen genutzt werden. Dies hatte allerdings entsprechende Folgen. Durch die höheren Geschwindigkeiten erhöhten sich die Unfallhäufigkeiten. Man erwägt die Trittbretter zu entfernen, jedoch blieb es eine Erwägung. Statt dessen wurden die Trennwände zwischen Schaffner und Fahrgästen bis unter das Dach erweitert, um den Fahrgästen der Pferdebahnwagen möglichst einen Zugluftschutz zu schaffen. Man schrieb das Jahr 1910.

Im Jahre 1930 war es soweit. Der Wagen mit der Nr. 42 wurde ausgesondert. Man verkaufte ihn ohne Achsen an eine Privatperson. Erst Recherchen im Jahre 1999 zum 100 jährigen Jubiläum der Magdeburger elektrischen Straßenbahn ließen den 42er wieder auftauchen. Am 17.12.1999 fand sich der Pferdebahnwagen Nr. 42 wieder in der Werkstatt der MVB ein um in seinen heutigen Zustand gebracht zu werden und in die Reihe der historischen Straßenbahnen eingebunden zu werden.

Interessante Links zum Pferdebahnwagen:

Triebwagen Nr 23

Der Triebwagen Tw 23 sah ursprünglich genau so wie Triebwagen Tw 38 aus. Er entstammt sogar als ehemaliger Tw 1 der ersten Serie elektrischer Triebwagen mit offenen Perrons der Magdeburger Straßen-Eisenbahn-Gesellschaft von 1899.

Der Triebwagen Nr 23 fuhr ab 1899 in Magdeburg.Da es Magdeburg nach dem Krieg 1920 wieder besser ging und der Bedarf an Triebwagen sich abzeichnete um die Fahrtrouten zu verdichten sah man sich nach Lieferanten um. Für eine Verdichtung der Zugfolge und die Streckenerweiterungen in die in den 1920er Jahren gebauten Wohnsiedlungen wurden neue, zeitgemäße Fahrzeuge benötigt. Da Geld knapp war, entschloss sich die Magdeburger Straßenbahn neben der Neubeschaffung auch zu einem Modernisierungsprogramm der offenen Triebwagen aus den ersten Lieferserien von 1898/1900. Diese wurden in großem Maßstab ab 1927 umgebaut. Die Waggonfabrik Dessau modernisierte den Triebwagen Tw 23 im Jahre 1928. Die Ausstattung mit einem stärker dimensionierten Fahrgestell ermöglichte den Einbau leistungsstärkerer Motore und die Verlängerung des Wagens. Bis 1967 befand sich das Fahrzeug im Personenverkehr und wurde dann zum Arbeitstriebwagen umgebaut. Als Rangierfahrzeug in der Hauptwerkstatt war der Wagen bis 1991 im Einsatz. 1997 erfolgte die Restaurierung zum historischen Triebwagen.

Interessante Links zum Triebwagen Tw 23

Triebwagen Nr 38

Der Triebwagen Tw 38 wurde mit der zweiten Lieferung der Hamburger Waggonbauanstallt Falkenried, welche den im Jahre 1899 eingeleiteten Umstieg von Pferdebahn auf Strom komplettierte die Ausstattung der Magdeburger Straßen-Eisenbahn-Gesellschaft.

Der Triebwagen Nr 38 in der Werkstatt.So war der Triebwaggon Tw 38 die ersten 35 Jahre seines Lebens im Originalzustand seine Dienste. So wurde er zum Arbeitstriebwaggon und bekam zuerst die Nr. 522 zugeteilt, und später die Nr. 722. So erledigte der Tw 38 seine neue Aufgabe. In den 50er Jahren spendierte man ihm eine Rundumverglasung. Jedoch im Jahre 1967 kam für ihn das Aus und man nahm ihm sein Fahrgestell. Der zurückgebliebene Kasten des Tw 38 wurde an einen Privatmann verkauft. Dieser stellte sich die Kabine des Tw 38 in seinen Schrebergarten, wo er die nächsten  31 Jahre in Vergessenheit geriet.

Rund 100 Jahre nach seiner Herstellung wurde der Tw 38 in dem Garten geborgen und wieder in den Originalzustand gebracht. Er bekam ein Ersatzfahrwerk, jedoch der elektrische Antrieb konnte nicht wieder hergestellt werden. Jedoch ist geplant, das mittelfristig der Tw 38 wieder einen Antrieb bekommen soll.

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Triebwagen Nr 70

Der Triebwagen Tw 70 gehört zu einer Baureihe die zwischen 1938 und 1943 hergestellt wurde. Einer von 18 Stück dieser Triebwagen mit dem Beinamen "Hechtwagen" (wegen der Form), ist dieser Tw 70. Er hatte zum Zwecke des bessern Begegnungsverkehrs ein um 40 cm zugespitztes Wagenende und -spitze sowie erstmals eine geschlossene Fahrerzelle.

Der Triebwagen Nr 70 wurde erst 1970 aus dem Einsatz genommen.Mit dem Triebwagen Tw 70 kam erstmals ein Straßenbahnwagen zum Einsatz, der auf den handbedienten Fahrschalter verzichtete. Zum Ruck freien anfahren und Bremsen gab es jetzt Drucktasten und Fußpedal.

1964 wurde der Tw 70 zum Einrichtungswagen umgebaut und der letzte dieser Sorte wurde 1973 aus dem Einsatz genommen. Aber im Jahre 1977 waren er auf dem hundertjährigen Jubiläum im Magdeburger Straßenbahn sehen und ist seit 1984 ein Teil der historischen Fahrzeugflotte der Interessengemeinschaft. In den Jahren 2005-2008 erfolgte der Umbau der 1964 vorgenommenen Einrichtungen auf den Originalzustand. So kann man den Tw 70 wieder in den Zustand besichtigen. wie er in den 1940 er Jahren durch unsere Straßen fuhr.

Dadurch, dass in den 1930 er und 1940 er Jahren immer mehr städtische Arbeitnehmer mit den Straßenbahnen fuhren, wurde ab 1940 eine Erhöhung der Fahrzeuganzahl immer wichtiger. Der Arbeitsausschuss Straßenbahnwagen wurde beauftragt einen entsprechend neuen Straßenbahnwagentyp zu entwickeln. So entstand der so genannte Hechtwagen, der Triebwagen Tw 70. Die Ausstattung war einfach und nicht auf Komfort ausgelegt sondern auf eine möglichst große Sitzanzahl. Insgesamt wurden 67 Triebwagen dieses Typs gebaut.

Interessante Links zum Triebwagen Tw 70

Triebwagen Nr 138

Der Tw 138 wurde in einer schweren Zeit gebaut und in Einsatz gebracht. Mitten im 1. Weltkrieg, wo die meisten Firmen der Rüstung dienten und Rohstoffe knapp waren, war es gar nicht so einfach dieses in die Tat umzusetzen. Aber der MSEG gelang es zwischen 1915 und 1916 8 Triebwagen zu beschaffen. Darunter in Jahre 1916 der Tw 138.

Der Triebwagen Nr 138 in der  Ausstellung.Nachdem die ersten 4 Triebwagen 1915 von der Waggonfabrik Wismar gefertigt wurden, wurde der Tw 138 mit der zweiten Lieferung von der Firma Lindner Waggonbau Ammendorf gefertigt. Auffälligstes Merkmal dieser Baureihe waren die geschlossenen Plattformen, denn bis dahin fuhren in Magdeburg nur Triebwagen mit offenen Perrons. Die aus Holz gefertigte Tragkonstruktion des Wagenkastens wurde an den Außenwänden mit Blechen verkleidet.

Die Innenausstattung geriet außerordentlich luxuriös, vor allem wenn man bedenkt, dass der Erste Weltkrieg an der Westfront gerade zu einer gigantischen Menschen- und Materialschlacht ausartete. Auf den mit Plüsch gepolsterten Sitzen fanden 18 Personen Platz. Diese Quersitze waren je nach Fahrtrichtung umklappbar. Auf 27 Stehplätzen konnten die Fahrgäste die edle Holzverkleidung des Innenraums, die farbigen Oberlichtfenster und die elektrische Beleuchtung bewundern. Der Strom wurde mit einem Rollenstromabnehmer aus der Oberleitung abgenommen und über Fahrschalter der Bauart AEG FB 6 zu den Motoren geführt. 2 Fahrmotore der Bauart AEG U 158 mit je 39 kW Leistung trieben den Wagen an. Als zulässige Höchstgeschwindigkeit waren 30 km/h ausgewiesen. Die Wagen des Baujahres 1921 besaßen eine abweichende elektrische Ausrüstung.

Interessante Links zum Triebwagen Tw138:

Triebwagen Nr 423

Die Verkehrsbetriebe der damaligen DDR hatten ab Mitte der 1955 er Jahre alle das gleiche Problem die Bevölkerungszahlen stiegen und die Fahrzeuge waren hoffnungslos überfüllt. Zudem waren die Beförderungsmittel mittlerweile ihr Alter gekommen. Die Fahrzeuge waren teilweise 40 Jahre und älter. Um den größeren Bevölkerungszahlen und den zeitgemäßen Standards gerecht zu werden wurde seit dem Jahre 1957 der Gothatriebwagen gebaut.

Der Triebwagen 423 auf der Friedensbrücke.Die ersten Straßenbahnen dieses Typs wurden in Magdeburg ab 1960 angeschafft. Sie sollten den vorhandenen Wagenpark erstmal entlasten und später ersetzen. Im Magdeburger Verkehrsbetriebe kauften 11 Triebwagen sowie 25 Beiwagen. Diese waren in Jahren 1966-1977 in Magdeburg im Einsatz. Danach kamen sie nach Dessau und waren dort bis in die 1990 er Jahre in Betrieb.
Der historische Beiwagen 509 ist jedoch kein Magdeburger Fahrzeug. Er wurde 1968 aus Leipzig übernommen. Er wurde nach einem Umbau im Jahre 1985 als Arbeitswagen der Gleisbauabteilung benutzt. Nach seiner Ausmusterung wurde der Beiwagen samt dem dazugehörigen Triebwagen für die ein Hundertjahrfeier Magdeburger Verkehrsbetriebe restauriert. Nach den Umbauarbeiten im Jahre 1999 der Abnahme im Jahre 2000 Magdeburg wird sogar einen Dreiwagenzug dieses Typs für Sonderfahrten bereitgestehlt.

Interessante Links zum Gotha-Zug Tw 423:

Schienenschleifwagen Nr 506

Damit der Lauf der Fahrzeuge nicht durch Riffel und Dellen nicht beeinträchtigt wird oder die Fahrzeuge zu laut sind beseitigen die Schienenschleiftwagen die Unebenheiten. Denn in Extremfällen kann es auch zu Beschädigungen der Straßenbahnfahrzeugen oder der Gleisanlagen kommen.

Der Schienenschleifwagen in der Halle.Schienenschleifwagen 506 wurde im Jahre 1936 angeschafft. 1946 wurden die kriegsbedingten Schäden überarbeitet. Und so konnte der Schienenschlafwagen noch über 30 Jahre seinen Dienst versehen. Die beiden großen vor Bauten vor und hinter dem Fahrerhaus sind Wassertanks für das Naßschleifverfahren. Die zwischen den Achsen angebrachten Schleifesteine wurden abwechselnd auf die Schiene gepresst. So erzielte das Fahrzeug die Schleifwirkung. Im Jahre 1979 wurde der Schienenschleifwagen nach Dessau abgegeben. Nach seiner Ausmusterung aus dem Arbeitsbetrieb wurde es in eine historische Fahrzeugsammlung vor Ort gegeben. Nach deren Auflösung im Jahre 2008 gelangte es wieder nach Magdeburg. Der Schienenschlafwagen 506 wird auch liebevoll „Schnappi“ genannt. Da sein Aussehen dem eines Schweizer Krokodils ähnelt.

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